TTG x Pop-Kultur 2019

Einen diskursiven Raum für Popmusik, in dem diese kontextualisiert, reflektiert und gefeiert wird, schafft das Festival »Pop-Kultur« in diesem Jahr bereits zum fünften Mal. Das Festival will zum interdisziplinären Austausch innerhalb der Popmusik anregen, der auch wissenschaftliche Diskurse einschließt, die in der Aufführungspraxis von Popmusik ansonsten kaum Raum finden. Gerade der unmittelbare Zugriff von Pop auf die Gegenwart kann dabei zur Möglichkeit werden, aktuelle politische, soziale und wissenschaftliche Diskurse aufzugreifen und auf die Bühne zu bringen. Das musikalische Programm umfasst dabei eine Vielzahl von Spielarten des Pop – von Hip Hop, über Noise bis hin zu elektronischer Musik.

Vom 21. – 23. August bespielt das Festival mit rund 100 Konzerten und DJ Sets, Ausstellungen, Talks und Filmen wieder die unterschiedlichen Spielorte der Berliner Kulturbrauerei. Ein Schwerpunkt liegt dabei auch diesmal auf extra für das Festival entwickelten Auftragswerken und der (lokalen) Nachwuchsförderung. Außerdem steht »Pop-Kultur« auch in diesem Jahr wieder für Internationalität und geschlechtliche Diversität, was sich auch im Line-Up widerspiegelt.  Auch in Bezug auf Inklusion nimmt das Festival innerhalb der deutschen Festivallandschaft eine Sonderstellung ein. Erstmals bietet »Pop-Kultur« mit dem »Treffpunkt« eine Austausch- und Informationsstelle für Initiativen der inklusiven Popkultur-Arbeit und eine Anlaufstelle für Gäste mit besonderen Bedürfnissen an.

Wir stellen euch hier unsere diesjährigen Highlights vor, die ihr nicht verpassen solltet!

 

»Wir leben in der Ära des Feminismus. Mehr und mehr Frauen starten durch und stehen auf, sogar im Hip Hop. Ich hoffe, dass Frauen in fünf Jahren die Musikindustrie übernommen haben.«— AWA Khiwe, SPEX

AWA ist das Akronym der MC und Sängerin Awakhiwe Sibanda und steht für African Women Arise. Aufgewachsen in Makokoba, einem der ältesten Townships in Bulawayo, Zimbabwe verbindet sie in ihrer Musik Rap auf Ndebele und Englisch mit den Klicklauten der simbabwischen Landessprache und kreiert so ihren eigenen kraftvollen, tanzbaren Hip Hop-Stil. Sie beschäftigt sich in ihren Texten mit dringenden Themen wie häusliche Gewalt, Teenagerschwangerschaften und Prostitution. Wir freuen uns auf das Debutalbum, das in diesem Jahr auf Outher Records erscheint.

 

»Don’t beat the girl out of my boy« – Anna Calvin hat im vergangenen Jahr mit »Hunter« ein kraftvolles Manifest gegen patriarchale Strukturen, Heteronormativität und obsolete Geschlechterstereotypen abgeliefert und macht damit genau die Musik, die wir als Teenager gern gehört hätten.

 

Feministisch, queer, nicht-weiß: Auch das Kollektiv One Mother aus Hamburg ist in diesem Jahr zu Gast. Teil des Kollektivs ist auch die Noise- und Ambient-Musikerin Rosaceae, die Anfang des Jahres die EP Nadia’s Escape veröffentlicht hat, auf der sie sich mit dem Genozid an der jesidischen Bevölkerung durch den Daesh auseinandersetzt. Sperrig und fragmentarisch im Ansatz, entwickelt das Album eine eindringliche Narration, die über den Sound – der auf dem Album vor allem Geräusch ist – hinaus auf politische Zusammenhänge verweist. Dafür arbeitet sie insbesondere mit dem Einsatz von Stimmen jesidischer Frauen. Mit der Commissioned Work »A cause so heavy« erweitert sie ihre Arbeit um ein visuellen Bühnenprogramm, in dem sie untersucht, wie weibliche* Traumata verarbeitet werden und kreiert dabei neue diasporische Narrative.

 

»Ich muss keine verworrene Poesie schreiben über ein so schweres Thema. Und ich glaube, dass klar verständliche Texte ohne irgendwelche obskuren Metaphern mehr Menschen erreichen. Es war mir wichtig, in den Liedtexten nicht einfach nur wütend zu sein, denn tatsächlich war Wut nur eines meiner Gefühle. Vor allem war ich durcheinander und traurig.«— Jenny Wilson, Deutschlandfunk Kultur

Jenny Wilson setzt sich in ihrem 2018 erschienen Album mit der traumatischen Erfahrung eines sexualisierten Übergriffs auseinander. Direkt und ungeschönt beschreibt sie das Erlebnis einer Vergewaltigung, die darauffolgenden Scham und die Reaktionen ihres Umfelds. Begleitet wird das ganze von elektronischer Musik, die bei unaufmerksamen Zuhörer*innen über den ernsten Inhalt hinwegtäuschen kann.

 

Annegret Fiedler aka Perel ist die erste deutsche Künstlerin, die auf dem New Yorker Avantgarde-Label DFA Records veröffentlichte. Mit ihrem Sound zwischen New Wave, Kraut, Synth und Techno greift sie in eine Musiktradition ein, die allzu häufig männlich* dominiert ist und gibt ihr eine neue Stimme.

 

 

Neben der Musik wollen wir euch ebenfalls ein paar Talks besonders ans Herz legen.

  • Slowly Taking Over. Feministische Kollektive in der Musikwelt
    22. August, 20 Uhr, Haus für Poesie

Isabelle Edi, die die Partyreihe Possy aus Hamburg ins Leben gerufen hat, das DJ-Duo Bad&Boujee (Elisabeth Taruvinga Mtasa und Enyonam Tetteh-Klu) aus Wien und Leyla Yenirce (Mitbegründerin des Hamburger Kollektivs One Mother) sprechen über Potenziale und Herausforderungen der kollektiven Arbeit und den Spagat zwischen DIY und Kulturinstitutionen. Wer es nicht zum Talk schafft, dem empfehlen wir Isabelles Interview mit dem Missy Magazine.

  • I guess this is a conversation about ~memes~ or sth like that lel
    21. August, 20 Uhr, Haus für Poesie

Sind Memes Kunst? Können Memes subversiv mit alten Strukturen brechen? Mit der Feminist Meme School hat unsere Freundin, Journalisin und Social-Media-Redakteurin Caren Miesenberger einen Raum für die Dekonstruktion herrschender Verhältnisse geschaffen, der die Grenzen zwischen digitalem und nichtdigitalem Raum verschmelzen lässt. Auch in diesem Jahr könnt ihr mit ihr gemeinsam wieder eigene Diskriminierungserfahrungen in lustige Bilder im Internet transformieren. Außerdem spricht Caren für Pop-Kultur mit der Person hinter Berlin Club Memes über den Account.

  • I’ve got 99 problems but being a feminist listening to rap ain’t one
    22. August, 20 Uhr, Kino in der Kulturbrauerei (Saal 5)

Innerhalb des von Yesim Duman kuratierten Programms Pop Hayat diskutieren die selbsternannte Social Media Justice Warrioress und Musikjournalistin Lena Grehl, die Musikjournalistin und DJ Miriam Davoudvandi und die Rapperin Ebow in einem Talk unter anderem über die Frage, wie sich Hip Hop und Feminismus vereinen lassen.


Pop-Kultur 2019
21. bis 23. August
Kulturbrauerei Berlin

Tickets für das Festival gibt es hier oder an der Abendkasse.