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Fuck, yeah!

Fränky, Rosa, Zarah und Flo wollen in Hamburg einen Sexshop eröffnen.

Sie sind die vier Köpfe hinter FuckYeah – einem feministischen Sexshopkollektiv, das nicht nur ausgewählte Sextoys, Gleitgel & Safer-Sex-Zubehör anbieten möchte, sondern auch alternative Menstruationsprodukte, Gender Expression, Literatur, Filme, Pornos, Kunst, Workshops und Kulturprogramm – für einen schambefreiten Umgang mit Sexualität und Körper. Bis jetzt ist das alles nur ein feuchter Traum, denn die entscheidenden Geldscheine fehlen noch im Portemonnaie. Zusammen mit der Menschenmenge des Internets wollen sie ihre Idee verwirklichen, auf Startnext

Drei der Macher*innen haben sich unseren neugierigen Fragen gewidmet.

interview

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Zarah, Rosa und Fränky (von links)
Welche vier Wörter liegen euch auf der Zunge, wenn ihr an euren Sexshop denkt? 

Fränky   Offenheit, Wohlfühlatmosphäre, Sofa, Selbstermächtigung

Rosa   lustvoll, ungezwungen, respektvoll, Neugierde,

Zarah   glizzer, Prosecco, gemütlich, austauschen

In der Beschreibung eures Projektes liest man immer wieder die Formulierung »mit feministischem Ansatz«. Was ist ein feministischer Sexshop? 

Rosa   Feministisch bedeutet für uns in diesem Zusammenhang sexuelle Selbstbestimmung, Diskrimierungsfreiheit und Anerkennung von unterschiedlichen Körpern und Begehrensformen; Sexualität als etwas potentiell Tolles zu begreifen und nicht als etwas Bedrohliches oder Dubioses.

Sexueller Konservatismus ist immer noch großer Bestandteil feministischer Bewegungen. Sex-positive Positionen sind rar und gelangen nur zu selten in den Fokus öffentlicher Debatten.
Wie möchtet ihr durch euren Shop Aufklärungsarbeit, Empowerment aber auch Diversität fördern oder selbst leisten? Inwiefern kann euer Shop Menschen auch etwas beibringen?

Fränky   Wir möchten ein breit gefächertes Angebot an Workshops und Informationsveranstaltungen anbieten, um mehr über den eigenen Körper und Sexualität zu erfahren, und um sich auszutauschen. Wir hoffen auch, dass wir mit einem offenen Umgang unsererseits andere Menschen dazu inspirieren, eigene Sichtweisen zu überdenken. Der Sexshop soll auch andere Projekte supporten, um so gemeinsam mehr öffentlichen Raum mit unseren Anliegen einzunehmen.

Die Porno-Regisseurin Erika Lust, die DIY-Plattform OMGYES sowie das Porn Filmfestival in Berlin haben in den letzten Jahren das Lustverständnis von Frauen* in den Mittelpunkt des öffentlichen Diskurses gebracht.
Ihr werdet in eurem Shop allerdings nicht nur Produkte für Frauen* anbieten. Wie stellt ihr euch ein queer-feministisches Shopsystem vor, in dem alle Einkaufenden genügend Freiraum und gleichzeitig Sicherheit haben? 

Rosa   Wir wollen nach außen kommunizieren, dass alle Respekt für einander haben. Nur weil ich andere sexuelle Vorlieben nicht heiß finde, muss ich mich nicht darüber lustig machen.

Fränky   Eine Anprobe für zum Beispiel Stuffer oder Binder in einem ruhigen Bereich des Ladens ist in Planung. Wir möchten den Laden für alle Gender öffnen. Wollen aber in Kontakt mit unseren zukünftigen Kund*innen bleiben, falls Bedarf nach cis-Männer freien Zeiten besteht, könnten wir uns vorstellen, das anzubieten. Wir hoffen aber, das wir auch durch die Ladengestaltung und unsere Kommunikation eine Atmosphäre schaffen, in der sich alle wohl fühlen.

Zarah   Desweiteren bieten wir auch nach Öffnungszeiten die Möglichkeit an, den Sexshop privat für kleine Gruppen zu öffnen. Und es wird auch Workshops für spezielle Gruppen geben, um sich ungestört auszutauschen.

 

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Die Sex-Industrie in Hamburg ist international bekannt und die Klischees über die »Rote Meile« sind so festgefahren und altbacken wie noch im 20. Jahrhundert. Zeit für einen Sinneswandel. Wie möchtet ihr mit eurem Shop einen Unterschied machen, bestehende Klischees aufbrechen und neue Ansätze zelebrieren?

Zarah   Wir wollen eine offene Atmosphäre schaffen, in der das Shoppen von Sexartikeln Spaß macht – ohne diskriminierende Klischees. Dazu legen wir auch noch großen Wert darauf, dass alle unsere Produkte frei von giftigen Weichmachern und ohne poröses Plastik sind. Sextoys sollen euren Körpern gut tun und nicht krank machen. Dazu kommt noch unser breites Workshop- und Bildungsangebot.

Bei einem Sexshop denken viele direkt an Latex-Anzüge, Gummipeitschen und Riesendildos. Wie findet ihr die Lücke zwischen Fetisch und Mainstream?

Rosa   Wir wollen keine Wertung zwischen konsensualen sexuellen Spielarten. Das heißt, alles womit alle einverstanden sind, supporten wir. Wir wollen alle Sachen im Shop ohne Hierachie gleichwertig präsentieren und bieten alles zwischen Vanille und Lakritz an.

Auf welche Produkte freut ihr euch am meisten? 

Zarah   Auf einen Vibrator für die Vagina der Oralsex imitiert.

Rosa   Auf Sextoys die nicht nur für »Männer« und »Frauen« sind, sondern mit denen offen gespielt werden kann, wo ein bestimmter Gebrauch an einer bestimmten Körperstelle nicht vorgeben ist.

Fränky   Auf veganen BDSM Stuff wie hochwertige Fesseln die fair produziert werden.

Welche erotischen Serien schaut ihr am liebsten? 

Fränky  Orange Is The New Black hat auf jeden Fall ein paar heiße Szenen…

Rosa   Masters of Sex fand ich zwar spannend, aber leider den Protagonisten Dr. Masters nicht so erotisch … sie hingegen fand ich schon sexy.

Fränky   … und Please like me hat auch einige schöne Szenen… 🙂

Unsere Generation braucht große und kleine Vorbilder. Welche Feminist*innen gehen euch seit längerem nicht aus dem Kopf? 

Fränky   Ich lese gerade ein Buch mit Texten von Audre Lorde, die mich sehr flashen. Gerade zuende gelesen habe ich »Untenrum frei« von Margarete Stokowski, was ich bei jeder Gelegenheit gern verschenke.

Rosa   Eine meiner feministischen Lieblingsautorinnen ist Marge Piercy. Sie schreibt unter anderem utopische Geschichten über Geschlechter- und Beziehungskonstrukte: Ihre Ideen begleiten mich seit Jahren.

Zarah   Mich inspirieren viele meiner Freund*innen, die ihren Weg gehen, sich nicht klein kriegen lassen und aus starren Rollenbildern ausbrechen.

Wie kann man euer Projekt jetzt unterstützen?

Zarah   Wir machen gerade via Startnext ein Crowdfunding. Hier können sich Interessierte nochmal über uns und unser Projekt informieren und uns finanziell unterstützen. Entweder mit einem freien Betrag, oder sich nette Dankeschöns dafür aussuchen. Nur wenn wir die Fundingschwelle von 20.000 € erreichen, ist unser Projekt erfolgreich. Also spendet, damit es diesen Ort in Hamburg bald geben kann!

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