Frauen und Fiktion

Frauen in Fiktion

In unserer vernetzten, hochtechnisierten Welt scheint alles ständig verfügbar zu sein: Nicht nur exotische Lebensmitteln sind nur einen Mausklick entfernt, sondern auch Sex ist ständig und überall verfügbar. Junge Menschen wachsen mit einer noch nie da gewesenen Nähe zu Pornografie auf – die Generation Porno bezahlt den nächsten Orgasmus via PayPal. Die Google-Suchleiste bringt uns nach der Eingabe von Sex zum Supermarkt sexueller Fantasien: Mums, Teens, Grandmas, Wifes, Sweets, Hardcore Treats. Sexuelles Verlangen ist nicht nur “Hot Topic”, sondern unentwegt in jeder Form stillbar.

Doch die Produzenten hinter vielen Erotikfilmen sind Männer, und diese oft unaufgeklärt oder sogar frauenfeindlich. Nicht nur die Dokumentation Hot Girls Wanted (auf Netflix) zeigt uns, wie junge Mädchen in der Amateur-Pornobranche ausgebeutet werden. Erika Lust sagt über ihre ersten Erfahrungen mit Pornos: Sie waren geschmacklos, sie waren widerwärtig, die Frauen sahen nicht so aus, als würden sie den Sex genießen und die Sexszenen wirkten komplett lächerlich.  Schlussendlich entschloss sie sich, nach ihrem Studium der Politikwissenschaften, es besser zu machen und stieg in die Produktion von aufgeklärten, feministischen Erotikfilmen ein. Damit verändert sie die gelernte Sicht auf Pornografie und stellt die Lust der Frau ins Zentrum der Handlung. Für eine weiterführende Entwicklung von Pornografie und die Platzierung von Frauen hinter der Kamera möchte sie im Jahr 2017 zehn Independent-Filmprojekte unterstützen und mit eigenem Budget produzieren. Auf ihrer Website ruft sie weibliche Filmemacherinnen dazu auf, Konzepte einzureichen.

Auch die Plattform OMGYes schreibt sich auf die Fahne, die sexuelle Lust der Frau zu enthüllen. Anhand einer groß angelegten Studie beantwortet sie viele Fragen, die lange hinter Tabus im Verborgenen blieben. Und dies auf eine persönliche und sexuell inspirierende Art und Weise. Die erste Staffel basiert auf den Ergebnissen, wie unterschiedlich Frauen zu ihrer Lust kommen und wie Frauen, Männer und Paare das Erlebnis noch verbessern können.

Die Lust und Sexualität der Frau erfährt eine neue Form der Befreiung. Wir haben uns mit den Gründerinnen von Frauen und Fiktion Anja Kerschkewicz und Eva Kessler getroffen und über Sexualität, Verlangen und Duschköpfe gesprochen. Ihr neues Stück LUST ist eine Performance über sexuelle Biographien und unerhörte erotische Phantasien von Frauen und lädt ein auf den Spielplatz von weiblichem Verlangen.

Anja Kerschkewicz und Eva Kessler
Anja Kerschkewicz und Eva Kessler (Foto: © Eva Dietrich)
Wie ist  Frauen und Fiktion  entstanden?

Anja Das entstand eigentlich aus einem kleinen Moment, als ich während meines Studiums einen Artikel über feministische Lesart gefunden habe. Daraus hat sich dann das Studienprojekt FIKTION entwickelt – für mich als Regisseurin und für Eva als Schauspielerin bzw. Theaterwissenschaftlerin. Während der Arbeit an FIKTION hatten wir dann plötzlich das Bedürfnis noch weitere Themen zu behandeln, zum Beispiel Gewalt, Religion oder Arbeit. Diesen Wunsch haben wir dann in dem Namen Frauen und Fiktion gebündelt und gleich den nächsten Antrag auf Förderung für LUST bei Hamburger Förderern gestellt.

In eurem ersten Projekt  FIKTION  geht es um gängige Rollenklischees und literarische Frauenbilder. Wie habt ihr das auf die Bühne gebracht?

Eva Das Projekt FIKTION war sehr nah dran an uns, unserer Erfahrungswelt und unserem Theaterstudium. Wir haben nach Frauenfiguren in der klassischen Theaterliteratur gesucht und untersucht, was diese uns heute erzählen. Dabei entstand dann eine spielerische Dekonstruktion von gängigen Frauenbildern. Also, lassen sich Kategorien wie männlich/weiblich überhaupt aufheben, solange die Sprache weiterhin ihre Grenzen zieht? Wer ist eigentlich er/sie/es? Auf der Bühne haben wir dann die ganzen Außenseiterpositionen verarbeitet. Also die starken Frauen, die mutigen Frauen, sprechen lassen.

Anja Im Theater läuft es generell meistens so: Wenn man etwas anprangern will, zum Beispiel Kindesmissbrauch, dann wird ein Stück gemacht, indem etwas reproduziert wird. Bei der Arbeit an FIKTION ist der Wunsch entstanden, nicht zu reproduzieren, sondern neue Bilder zu finden und diese zu zeigen. Bei dem Thema Gewalt wird es zum Beispiel nicht um Frauen gehen, denen Gewalt angetan wurde, sondern um Frauen, die Gewalt ausüben. Wie funktioniert Gewaltbereitschaft als Handlungspotenzial? Und wie befreit man sich durch Gewalt von der Opferhaltung. Das Thema unseres neuen Stücks – LUST – triggert bei vielen schnell das Klischeebild, dass die Frau ein mysteriöses Wesen ist, deren Lust niemand so richtig versteht – vielleicht nicht mal sie selbst. Oder auch das Klischee, nachdem für Frauen Sex und Liebe immer verbunden sein müssen. Davon wollten wir weg, denn eigentlich ist das alles ja gar nicht so mysteriös. Bei uns wird ziemlich unkompliziert ausgesprochen: Es ist halt so und so, man will halt das und das, und so funktioniert das dann auch! Lust ist etwas ganz normales, vielleicht manchmal einfach nur nichts kontrollierbares, was der Körper über das gesamte Leben in sich trägt.

Als Grundlage für das Stück habt ihr Interviews mit verschiedenen Frauen geführt. Mit Fremden über Lust sprechen – ist das so leicht?

Eva Während der Interviews haben wir gemerkt, dass es schwierig ist, Fantasien überhaupt zu versprachlichen. Dann mussten wir auch erstmal versuchen, in unserer eigenen Gruppe darüber sprechen zu lernen. Das hat ja auch immer etwas mit einem Grenzgang zu tun – man gibt etwas sehr Intimes von sich Preis – und das dann in einer Form auf die Bühne zu bringen, die eine Relevanz und ein Interesse für das Publikum hat, war unser Ziel. Wir wollten nicht etwas anklagen, sondern eher einen Vorschlag machen.

Welches Material habt ihr im Stück  LUST  verarbeitet?

Anja Die Projektvorbereitung dauerte etwa eineinhalb Jahre. Mit uns zusammen haben wir etwa 17 Frauen interviewt – über wiederkehrende und unterschiedliche Geschichten gesprochen. Zuzüglich gab es dann natürlich auch verschiedene theoretische und auch praktische Recherchen, die dann noch mal “extremere” Einflüsse eingefangen haben. Wir haben zum Beispiel mit einer Freundin gesprochen, die eine Masterarbeit über die Sexarbeiter*innen-Konferenz Fantasies that matter geschrieben hat. Wir sind aufs Pornfilmfestival gegangen. Und verschiedene Aspekte befruchteten dann auch wieder neue Sichtweisen. Wir haben zum Beispiel auch einen Pornodrehworkshop gemacht bei Sexclusivitäten in Berlin. Dabei haben wir anhand unserer Fantasien Drehbücher geschrieben und auch von den Erfahrungen der anderen beteiligten Personen gespeist. Auch das Buch Frauenkörper neu gesehen war eine Inspiration. Und dann finden sich auch ganz kleine Schnipsel im Stück wieder, die wir bei dem ein oder anderen Gespräch gesammelt haben.

© Eva Dietrich
Frauenkörper neu gesehen: Ein illustriertes Handbuch von Dr. Laura Méritt, 2012 (Foto: © Eva Dietrich)

Eva Ich finde den Moment des Erinnerns total spannend. Wenn dir etwas einfällt, was eine Freundin vor langer Zeit mal zu dir gesagt hat – das bekommt dann eine ganz neue Relevanz.

Anja In den letzten Tagen haben wir auch noch mal festgestellt, dass die eigene sexuelle Biografie total spannend ist – also das bewusste Nachdenken über seinen sexuellen Verlauf, was man ja eher von seinem beruflichen Lebenslauf kennt. Wann hatte ich eine Beziehung mit welcher Person? Warum hatte ich diesen One-Night-Stand? Warum sehe ich diese Person nicht mehr? Wie hat sich das angefühlt? So etwas hat doch eigentlich eine viel größere Relevanz in unserem Leben, aber dennoch vergisst man das sehr schnell.

Eva Man spricht ja sowieso in der Gesellschaft eher über seinen Schulabschluss als über seinen letzten One-Night-Stand. Das Thema ist eins, was wir nicht unbedingt mit der Öffentlichkeit verhandeln, sondern eher im geschützten Freundeskreis. Wenn man sich allerdings traut, darüber zu sprechen, merkt man schnell, dass man nicht alleine ist. Und dass es Frauen gibt, die ihre Lust auf ihre ganz eigene Weise entdeckt haben – und natürlich ist das sehr persönlich und eigen, aber es gibt dennoch eine Form von Vergleichbarkeit. Es gibt Ereignisse, die wiederkehren. Momente, die einen dann verbinden. Zum Beispiel: ‘Ah, bei dir gab’s auch den Pool, die Düsen …’

Anja ‘… den Duschkopf.’ Beim Thema Erste Erregung tauchten ganz oft Geschichten immer mal wieder auf: Der Duschkopf, die Düse im Swimmingpool oder die Rutschstange auf dem Spielplatz.

Das wird doch auch so ein bisschen im Trailer aufgegriffen … oder?

Anja (lacht) Da kann ich dir keine klare Antwort drauf geben, denn das ist ja Teil deiner eigenen Fantasieauslösung. Aber in dem Trailer haben wir Bewegungsmaterial verwendet, was gewisse Fantasien auslösen kann, ja.

Eva Es war auch interessant, dieses Bewegungsmaterial in den öffentlichen Raum zu tragen. Wir haben das ja in Berlin an öffentlich zugänglichen Plätzen gedreht, und dann kamen auch Passanten vorbei und haben irritiert geguckt.

Anja Eigentlich sind die Leute irritiert und interessiert, wenn sie das sehen. Nicht, dass sie ihren Kindern die Augen zu halten, sondern schon eher: ‘Ja, schön. Die haben Spaß!’

Das Moodboard der Kostümbildnerin Felina Levits.
Das Moodboard der Kostümbildnerin Felina Levits. (Foto: © Eva Dietrich)
Findet ihr denn generell, dass die Themen Lust und Sexualität öffentlicher präsent sein sollte?

Eva Es gibt ja bereits gewisse Foren, wo das stattfindet. Ich fand es zum Beispiel wirklich interessant, zum Pornfilmfestival zu gehen. An einem Samstag Morgen um 11 Uhr platzten alle Kinosäle aus den Nähten. Das ist ja schon mal eine gute Form der öffentlichen Auseinandersetzung.

Anja Aktionistische Arbeit ist eine ganz andere Entscheidung als Theater zu machen. Aber mich interessiert auch, was außerhalb unserer Arbeit passiert. Wenn wir verschiedene Plattformen mit dem Thema bespielen, gelangen wir anders in einen öffentlichen Diskurs – sei es über Interviews oder Gespräche oder nur einen Flyer.

Aber der Trailer war ja schon auch auf eine gewisse Art aktionistisch, da ihr beim Dreh an verschiedenen öffentlichen Orten Interesse erregt habt. Denkt ihr nicht manchmal über Performances im öffentlichen Raum nach?

Eva Also es gibt die vage Idee, sich mit zehn oder 20 Frauen an eine sehr frequentierte Ecke zu begeben und diese Bewegungsabläufe zu performen, so als Flashmob. So könnte man ja dann auch eher mal Leute gewinnen, die sich jetzt nicht unbedingt schon in unserem Umkreis bewegen. Mal sehen, ob wir das noch schaffen.

Wahrscheinlich gibt es aber auch Menschen, die das nicht so wirklich verstehen?

Anja Na klar, es gibt natürlich auch Gegenwehr. Wir haben zum Beispiel erlebt, dass wir von einer Frau, die wir nach Förderung gefragt haben, eine klare Absage bekommen haben. Aber mit der Begründung: “Tut uns leid, aber Frauenthemen, das ist jetzt wirklich nicht mehr up to date, das ist Schnee von gestern.”

Eva Das ist sehr enttäuschend. Weil ich denke, wenn Frauen sich nicht dafür einsetzen, wer soll es dann tun? Also wenn wir diese Frage nicht angehen, wer dann?

Anja Das finde ich das Ermüdendste daran. Dass etwas als „erledigt“ beschrieben wird. Ich meine, auf der einen Seite hat sich was entwickelt, auf der anderen Seite wird in Polen ein Gesetz verabschiedet, das Frauen die Abtreibung verbietet. Das ist alles sehr fragil. Man muss halt mal die Gesamtsituation sehen …

Eva Die Frage ist immer: Bin ich mir der Struktur bewusst, in der ich mich bewege? Dann kann ich entscheiden, ob ich diese Struktur bedienen will oder ob ich mich dagegen entscheiden will. Eine Motivation unserer Arbeit ist auch, nicht zu sagen: “Das ist gut, das ist schlecht”, sondern auf die Strukturen hinzuweisen und diese auch zu durchbrechen und damit zu spielen und vielleicht bringt man die Zuschauer dann dazu, die Strukturen, in denen sie sich befinden, zu hinterfragen.

Anja Wir wollen quasi unsere Situation als Frau nutzen, in der wir mit bestimmten Einschränkungen zu kämpfen haben, um aus dieser Perspektive heraus etwas zu erzählen. Damit wollen wir ein Umdenken produzieren.

Denkt ihr, dass die heteronormative Sichtweise der Frau nur eine Fiktion ist?

Anja Also für mich: ja. Für mich ist es eine Fiktion, die ich aber gerade aktiv nicht durchbrechen kann, also außer in meiner Fantasie oder mit Projekten wie Frauen und Fiktion. Ich denke, ich muss mich nicht für eine Sexualität entscheiden. Es kann auch sein, dass ich in fünf Jahren etwas anderes mache. Aber ich hab in meinem Kopf kein Problem mit allen möglichen Konstellationen von Menschen, die alle möglichen Dinge miteinander machen.

Eva Also wenn es überhaupt eine Norm gibt, dann ist doch die Frage, warum das Eine besser oder erwünschenswerter sein soll als das Andere. In dem Moment, wo die Bewertung einsetzt, ist eigentlich irgendwas falsch. Das Wehren gegen die Norm und das Hochhalten des Anderen als das Bessere, empfinde ich nicht als richtig. Wünschenswert fände ich diesen Ansatz: Es gibt eine Vielzahl an Lebensentwürfen, an Interessen, an Konzepten, an Bedürfnissen – warum kann ich dem anderen nicht seine Lust, seine sexuelle Praxis, seine Vorstellung von Leben lassen? Und ist die Vielzahl nicht eigentlich das Spannende? Ich muss mich ja auch nicht mit allem identifizieren, aber ich muss auch nicht meins als das Bessere erachten. Ein Thema, was auch in unsere Performance hereinspielt, ist auch das Alter. Eine Sexualität kann sich ja auch im Laufe eines Lebens verändern. Und es ist total spannend, mit älteren Menschen darüber zu sprechen, wie sie sich verändert haben. Eigentlich muss man ja nur auf sich selbst hören, um zu wissen, was man gerade will.

Aus welcher Gender-Perspektive blickt das Stück den Zuschauer an?

Anja Wir beide reflektieren aus der Perspektive von Cis-Frauen, was uns zugeschrieben wird, wie wir beschrieben oder angeschaut werden. Wir erhoffen uns vom Stück, dass sich jedoch jede*r in seiner eigenen Art darin wiederfinden kann.

Eva Im Prinzip geht es darum, aus einer spezifischen Perspektive heraus global zu werden und nicht andersherum.

Auf der Bühne werden wir zwei Darstellerinnen sehen.

Eva Uns ging es gar nicht so sehr um das Geschlecht der Darsteller*innen, sondern es war eher eine formale Entscheidung: Beim Thema Lust muss es einen sprachlichen Moment und einen Bewegungsmoment geben. Zu Lust gehört Körper automatisch immer dazu. Bei einem Gespräch mit Patricia – der Choreografin –, kamen wir dann darauf, dass wir uns gut in der Arbeit ergänzen könnten.

Anja Eva und ich arbeiten beide eher theoretisch-textlich und Patricia ist sehr körperlich. Das hat uns auch nochmal stark reflektiert, worin wir uns vielleicht eingefahren haben und holt uns da raus. Es hat uns wirklich beeindruckt, wie Patricia sich in den Körper hineindenkt, bis auf den Knochen. Es ist sehr anregend, seine Sprache im Körperlichen zu suchen und zu finden. Besonders, weil wir in dem Stück nicht nur die Inhalte der Interviews thematisieren, sondern sehr eigene Erfahrungen der beiden.

Wird es denn eine interaktive Performance sein oder ist diese eher konkret Richtung Publikum gerichtet?

Anja Es wird eigentlich relativ frontal sein, aber sich auf jeden Fall auch den Zuschauern öffnen. Unser Ansatz liegt eigentlich zwischen dem Darstellen von abgeschlossenen Geschichten auf der Bühne und dem Interaktiven – man wird mitgenommen, aber es ist nicht direkt interagierend.

Nochmal konkret zum Thema Lust im Alltag. Wie können wir mit Konflikten zwischen Begehren und Vernunft umgehen?

Anja Du meinst: Darf ich jetzt erregt sein, wenn ich das Interview mit dir habe?

Zum Beispiel.

Eva Meistens geht es doch darum: Was bedeutet mir der Regelkanon der Gesellschaft, in der ich lebe und inwiefern bin ich bereit diesen und meinen eigenen über den Haufen zu werfen? Ich finde, das ist sehr situativ.

Anja Ich finde da spiegelt sich auch nochmal das Konzept unseres Stücks wider: Also, wir haben die zwei Teile auf der Bühne: Sprache und Körper. Also symbolisch: Zivilisation und Trieb. Der Trieb der Lust wird ganz oft verstellt, verstümmelt oder verdreht oder eingegrenzt. Als ersten Schritt überhaupt muss man die Lust von diesem Ballast befreien und als körperliches Bedürfnis erkennen. Dann kann man erst reflektieren, ob man sie zulassen will.

Eva Und dann gelangt man automatisch in das Dreieck zwischen Empfindung, eigener Moralvorstellung und gesellschaftlicher Vorstellung. Es gibt bestimmt Mechanismen, gegen die man sich nicht wehren kann, aber die man aus sich heraus reflektieren kann.

Anja Wir suchen nicht eine Lösung, sondern eine Reflektion. Wir sind also nachher genauso verwirrt wie davor.

Zum Schluss: Inwiefern kann weibliche Lust empowern?

Anja Sehr. Allein der Austausch untereinander ist total schön. Eigentlich ist es nicht schwer, darüber zu sprechen, dass man Sex hat. Darüber zu sprechen, dass man keinen hat, ist viel schwerer. Aber es wird einfacher. In der Recherche haben wir auch gemerkt, dass die Lust auch manchmal einfach im Hintergrund ist. Sie ist dann vielleicht nicht das Wichtigste. Das Wichtigste ist: Es gibt keine Verpflichtungen.

Vielen Dank an euch, wir sehen uns am 18. November! ☺

18. + 19. NOVEMBER 2016, 20:15h
20. NOVEMBER 2016, 18:30h
LICHTHOF THEATER HAMBURG

Performance: Eva Kessler und Patricia Carolin Mai // Eine Arbeit von Frauen und Fiktion: Anja Kerschkewicz & Eva Kessler // Choreografie: Patricia Carolin Mai // Konzeptionelle Mitarbeit & mit Texten von: Elsa-Sophie Donata Jach // Bühne und Kostüme: Felina Levits // mit Musik von: plastiq // Technik und Licht: Sönke C. Herm // Dramaturgische Mitarbeit: Alisa Tretau // Beratung Produktion: Zwei Eulen

Gefördert durch die Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg, die Rudolf Augstein Stiftung, die Hamburgische Kulturstiftung, die LICHTHOF Stiftung, die Gerda-Weiler-Stiftung und Gängeviertel e.V.

Tickets
Frauen und Fiktion